Themen-Spezial

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Von der Puppenküche zur Lokomotive: Märklin - die Geschichte des Modelleisenbahn-Herstellers

Das Traditionsunternehmen Märklin bringt dem Nachwuchs seit Generationen Technik näher und ist heute vor allem für seine Modelleisenbahnen bekannt. Doch die Lokomotive ist nicht von Anfang an im Spiel. Zunächst setzt das Unternehmen auf Puppenküchen.

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Die Gründung von Märklin

Die Geschichte des Spielzeugherstellers beginnt mit Firmengründer Theodor Friedrich Wilhelm Märklin. Der am 2. April 1817 in Tieringen geborene Flaschner eröffnet 1859 eine Werkstatt in Göppingen und legt damit den Grundstein für die international bekannte Marke Märklin. Die Produktpalette der Werkstatt umfasst zunächst Blechwaren für den Haushalt, Puppenküchen und Puppenhäuser. Nach dem Tod des Firmengründers 1866 führt seine Witwe Caroline Märklin, geborene Hettich, die bereits zuvor den Verkauf der Produkte verantwortete, die Geschäfte weiter.

Die Geschichte von Märklin beginnt mit Puppenküchen.
Die Geschichte von Märklin beginnt mit Puppenküchen.

Die Geschichte von Märklins Modelleisenbahn

1888 übernehmen zwei Söhne von Caroline und Theodor Friedrich Wilhelm Märklin, Karl und Eugen, den Betrieb und führen ihn unter dem Namen  "Gebr. Märklin" weiter. Zum Warenangebot der Firma gehören zu diesem Zeitpunkt neben Puppenküchen und Miniherden unter anderem Kreisel, Karren und Modelle von Schiffen. 1891 stellen die Gebrüder Märklin ihre erste Eisenbahn als Uhrwerkbahn mit der dazugehörigen Schienenanlage in Form einer Acht vor. Damit begründen sie die heutige Berühmtheit des Unternehmens, das weltweit für seine Modelleisenbahnen bekannt ist, und sorgen zudem dafür, dass die Spurweiten standardisiert werden.

Anfang des 20. Jahrhunderts umfasst das Sortiment von Märklin neben den bereits erwähnten Produkten Dampfmaschinenmodelle, Karussells, Autos, Flugzeuge und Metallbaukästen. Zum erfolgreichsten Produkt des Hauses entwickelt sich in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts aber die Eisenbahn in Miniaturausgabe. 1926 kommt die elektrische Bahn mit 20 V Wechselstrom raus. Kurz nachdem die Bing Werke AG im Jahr 1935 die erste Tischeisenbahn "TRIX Express" in der Baugröße 00 (heutige Bezeichnung: H0) präsentieren, stellt Märklin sein Modell in derselben Baugröße vor. In den darauffolgenden Jahren sorgen weitere technische Neuerungen der konkurrierenden Unternehmen dafür, dass Modelleisenbahnen platzsparender, preisgünstiger und leichter zu handhaben sind. In der Folge steigt die Nachfrage nach Modelleisenbahnen in den 1950er und 1960er Jahren und Märklin avanciert zu Zeiten des Wirtschaftswunders der Nachkriegszeit in diesem Bereich zum weltweit größten Anbieter.

Die Modelleisenbahn sorgt im vergangenen Jahrhundert in vielen Haushalten für...
Die Modelleisenbahn sorgt im vergangenen Jahrhundert in vielen Haushalten für große Freude unterm Weihnachtsbaum.

Eine weitere Neuerung präsentiert Märklin 1972 auf der Nürnberger Spielwarenmesse: Die bis dato kleinste in Serie produzierte Modelleisenbahn der Welt, die Spur Z, die auch unter dem Namen "Mini-Club" bekannt wird. 1984 führt das Unternehmen als eine der ersten ein digitales Steuersystem für die Züge im Miniaturformat ein. 1997 dann übernimmt Märklin seinen Konkurrenten TRIX, der in den 1990er in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist. Ein Schicksal, das Märklin in den folgenden Jahren ebenfalls ereilt.

Neuanfang bei Märklin

Dass der Markt insgesamt rückläufig ist, merkt auch Märklin. Nach ein paar verlustreichen Jahren wird das Unternehmen 2006 an Kingsbridge Capital verkauft, einer Finanzgruppe aus Großbritannien. Die Geschäfte laufen dennoch schlecht und so meldet das Traditionshaus 2009 Insolvenz beim Amtsgericht in Göppingen an. Die Geschäfte werden daraufhin unter einem Insolvenzverwalter weitergeführt. 2013 übernimmt Michael Sieber mit der Sieber & Sohn Co. KG, die er zusammen mit seinem Sohn Florian gegründet hat, den Spielzeughersteller Märklin.

Mythos Märklin: Modelleisenbahnen als Sammlerobjekt

Märklin bedient mit seinem Sortiment alle wichtigen Spurweiten des Modellbahnmarktes und bietet Liebhabern so die Möglichkeit, ihre Sammlungen systematisch zu erweitern. Das ist nur ein Grund, warum die Marke mittlerweile Kultstatus besitzt und Menschen in aller Welt Märklin-Modelle sammeln. Zum Mythos trägt ebenfalls bei, dass Märklin zu einem der ältesten Hersteller in diesem Segment gehört. Einige Objekte haben bei Auktionen bereits Preise im fünfstelligen Bereich erzielt.

Modelleisenbahnen sind mittlerweile bei Sammlern beliebt.
Modelleisenbahnen sind mittlerweile bei Sammlern beliebt.

Im März 2017 beginnt Märklin mit dem Bau des neuen Firmenmuseums Märklineum, in dem am Stammsitz des Hauses in Göppingen auf einer Fläche von etwa 3.000 Quadratmetern eine Erlebniswelt für Sammler entsteht, mit dem das Museum auch in Zukunft Menschen für das Hobby Modelleisenbahn begeistern möchte. Herzstück der Anlage soll eine zweistöckige Modell-Gebirgseisenbahnanlage werden. Zudem sollen in dem Museum erstmals einzigartige Exponate wie Zeichnungen ausgestellt werden, die die Geschichte von Märklin abbilden. "Mit unserem neuen Märklineum - der Name wurde nach einer Mitarbeiterbefragung gewählt – wollen wir große und kleine Besucher gemeinsam in die faszinierende Welt der Modelleisenbahn eintauchen lassen. Die Märklin Schätze sollen glanzvoll präsentiert und Historisches interessant dargestellt werden. Gleichzeitig wollen wir Besuchern Einblicke schenken in die aufwändige Märklin Produktion und ihnen Gelegenheit geben, das spannende und interessante Hobby Modelleisenbahn miteinander zu erleben", fasst Geschäftsführer Florian Sieber die Idee für den Museumsbau auf der Webseite des Unternehmens zusammen.

Fazit

Märklin gehört heute zu den berühmtesten Herstellern von Modelleisenbahnen. Modelle der Marke sind bei Sammlern in aller Welt begehrt. Eine Entwicklung, die bei der Gründung des Unternehmens 1859 nicht abzusehen war. Denn in der spannenden Geschichte des Spielzeugherstellers spielen nicht nur Lokomotiven, sondern auch Puppenstuben und Blechwaren für den Hausgebrauch eine wichtige Rolle.

 

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