Themen-Spezial

Biografie

Die historische Figur: Biografie von Jesus von Nazareth

Jesus selbst hat seine Lebensgeschichte nicht aufgeschrieben: Alles was wir über ihn zu wissen glauben, stammt aus den vier Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes im Neuen Testament. Jeder erzählt auf seine Sicht aus dem Leben von Jesus. Dabei wird allerdings auch viel ausgeschmückt und gedeutet. Was aber ist über die Person Jesus historisch belegt?

Der Geburtsort

Historiker gehen davon aus, dass Jesus um das Jahr 4 oder 6 vor unserer Zeitrechnung in Nazareth zur Welt kam, der größten Stadt im Nordbezirk Israels in der historischen Landschaft Galiläa. Heute hat Nazareth gut 75.000 Einwohner. Die Verlagerung des Geburtsortes nach Bethlehem im judäischen Bergland, das heute zu Palästina gehört, soll vermutlich nur die Weihnachtsgeschichte ausschmücken, denn auch im Johannes-Evangelium heißt es: "Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazareth, den Sohn Josefs."

Die Geburt des Jesuskindes im Stall von Bethlehem ist nicht den Fakten, sonde...
Die Geburt des Jesuskindes im Stall von Bethlehem ist nicht den Fakten, sondern eher der Legende zuzuordnen.

Von Bethlehem als Geburtsort ist hingegen nur im Lukas-Evangelium die Rede. Hier heißt es, Josef habe aufgrund einer Volkszählung zurück in seine Heimat ziehen müssen, "von der Stadt Nazareth in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt". Der Hintergrund dieser möglichen Erfindung liegt darin, dass Galiläa mit seinen griechischen Städten strenggläubigen Juden suspekt war und der Messias im besten Fall aus der Stadt Davids, des legendären Königs, stammen sollte. Besagte Volkszählung gab es vermutlich erst elf bis zwölf Jahre später.

Jesus und seine Familie

Jesus wurde als erster Sohn seiner Eltern in Nazareth geboren und nicht in Bethlehem, ebensowenig in einem Stall, wie es die Weihnachtsgeschichte erzählt. Mit seinen Eltern Joseph und Maria und Geschwistern wuchs er dort vermutlich auch auf. Namentlich erwähnt sind die Brüder Jakobus, Joses, Judas und Simon, auch Schwestern soll es gegeben haben, auch wenn ihre Namen nicht bekannt sind. Jesus' Muttersprache war Aramäisch und er wuchs wie die ganze Familie im jüdischen Glauben auf. So wurde er nach jüdischer Sitte sicherlich auch beschnitten.

Die berufliche Laufbahn

Seine Schullaufbahn war eher kurz, nehmen Historiker an, dennoch lernte Jesus lesen und schreiben – auch wenn er kein von ihm selbst geschriebenes Wort hinterließ. Hebräisch und Griechisch soll er ebenfalls gelernt haben. Bevor er sich einen Namen als Wanderprediger machte, erlernte er allerdings zunächst den Beruf seines Vaters als Bauhandwerker, wie im damaligen Palästina üblich. Jesus' Beruf als "Zimmermann", wie es in der christlichen Tradition heißt, ist also nicht ganz zutreffend, denn ein Bauhandwerker verstand sich eher auf die Bearbeitung von Holz und Stein sowie andere handwerkliche Fertigkeiten.

Jesus muss sich allerdings geweigert haben, den Beruf seines Vaters dauerhaft auszuüben, eine Familie zu gründen und für die Großfamilie da zu sein, denn es wird in den Evangelien übereinstimmend von großen Konflikten gesprochen. Stattdessen scheint Johannes der Täufer eine zentrale Rolle für ihn gespielt zu haben, möglicherweise als Mentor. Er beeinflusste seinen Schüler dahingehend, seine Familie zu verlassen und sich einem Leben für die Religion zu widmen. Johannes selbst begann im 15. Regierungsjahr von Kaiser Tiberius, die Menschen im Jordan zu taufen, heißt es in der Bibel. Dies entspricht dem Jahr 28 oder 29 n. Chr.

Die Zeit als Wanderprediger

Jesus ließ sich in seinem Glauben von Johannes beeinflussen und begann, zu Menschen zu predigen. Dabei muss er eine beeindruckende Eloquenz und Überzeugungskraft entwickelt haben, denn schon bald wurde er zu einer Art lokaler Berühmtheit. Er trennte sich von Johannes dem Täufer und machte sich als Wanderprediger auf den Weg. Seine freie Interpretation der jüdischen Schriften sprach die Menschen an. Er stellte sich auf eine Ebene mit ihnen und fand schnell einen Zugang, indem er gemeinsam mit seinen Jüngern aß und trank. Schon bald war über die Grenzen Galiläas hinaus bekannt.

Der Tod von Jesus

Seine charismatische Art und seine Fähigkeiten, die Massen zu begeistern, wurde Jesus von Nazareth leider auch zum Verhängnis. Vermutlich wurde er wegen seiner revolutionären Ansichten von der konservativen jüdischen Gemeinde als Bedrohung betrachtet, was schließlich zu seiner Verhaftung führte. Es herrscht die Annahme vor, dass die jüdische Führungsschicht ihn aufgriff und den Römern übergab. Pontius Pilatus war es, der Jesus im Jahr 30 zum bekannten Tod am Kreuz verurteilte, eine besonders brutale und entehrende Art der Hinrichtung.

Der gekreuzigte Jesus ist ein zentrales Symbol im Christentum.
Der gekreuzigte Jesus ist ein zentrales Symbol im Christentum.

Fazit

Jesus wurde zwischen 4 und 6 v.Chr. in Nazareth geboren, auch wenn in der christlichen Weihnachtsgeschichte von Bethlehem die Rede ist. In Nazareth wuchs er als erstgeborener Sohn im jüdischen Glauben auf und erlernte den Beruf seines Vaters als Bauhandwerker. Beeinflusst von Johannes dem Täufer weigerte er sich jedoch, eine bodenständige Laufbahn einzuschlagen und verließ seine Familie, um Wanderprediger zu werden. Seine revolutionäre Auslegung der jüdischen Lehre und seine charismatische Art als Redner ließen ihn zur Gefahr für die jüdische Führungsschicht werden. Jesus wurde verhaftet und durch Pontius Pilatus zur Kreuzigung verurteilt.

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